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Prof. Dr. Dr. med. Johann A. Bauer

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Mein Name ist Luisa Umlauf,

ich bin 1946 geboren, lebe in Berlin, verheiratet, eine Tochter, fünf Katzen. Aufgrund jahrzehntelanger schwerer Schlafstörungen seit 1994 frühpensioniert, weil ich meinen Dienst nicht mehr zuverlässig und regelmäßig versehen konnte. In meinem Beruf - ich war Lehrerin - kommt es aber sehr auf Zuverlässigkeit und Regelmäßigkeit an. Eine Kollegin, die von fünf Unterrichtstagen in der Woche zwei bis drei fehlt, wobei man nicht vorhersehen kann, an welchen, ist auf Dauer für das ganze Kollegium nicht tragbar.

Die Schlafstörungen waren nicht die einzigen Beschwerden, wohl aber die subjektiv belastendsten. Es kamen hinzu: Seit Ende der Siebziger Rückenschmerzen - zum Teil mit Krankenhausaufenthalt. Ständig wiederkehrende Verdauungsprobleme, eigentlich lebenslänglich. Häufige Erkältungen, die sich bis zu asthmatischen Zuständen steigern konnten.

Eine Schilderung der jahrzehntelangen Odyssee, ergebnislosen Untersuchungen und Behandlungen sowie absurden Demütigungen bei Ärzten verschiedenster Fachrichtungen, Psychotherapeuten und - am grausamsten - bei den Amtsärzten würde viele, viele Seiten in Anspruch nehmen.

Dass all meine Symptome zur Fibromyalgie gehören, erfuhr ich erst am 3. Juli 2000, als die Diagnose von Dr. Sörensen, Chefarzt des Immanuel-Krankenhauses Berlin, Rheumaklinik, und Vorsitzender der Deutschen Rheumaliga, gestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich Schmerzen in den Händen seit etwa zwanzig Jahren, in den Beinen aber erst seit etwa einem halben Jahr. Auch hatten sich die Schmerzen in den Händen seit etwa einem halben Jahr in die Arme hochgezogen.

Sofort recherchierte ich im Internet unter dem Stichwort "Fibromyalgie" und stieß dabei rasch auf die Seite von Herrn Professor Bauer. Umgehend vereinbarte ich einen Untersuchungstermin. Wie nicht anders zu erwarten, diagnostizierte auch Prof. Bauer das Vollbild einer Fibromyalgie.

In den folgenden Monaten mußte ich allerdings zwei Operationstermine wegen Todesfällen in der Familie wieder absagen. Erst Ende Mai 2001 fand die Operation statt. Professor Bauer wählte den rechten Arm aus.

Ich werde niemals das Gefühl vergessen, als ich aus der Narkose aufwachte und die rechte Hand und der rechte Arm schmerzfrei waren. Erst in diesem Moment merkte ich, wie sehr ich mich bereits an den Dauerzustand von Schmerzen gewöhnt und damit abgefunden hatte. Ich hatte plötzlich das Gefühl, als würde mein rechter Arm schweben. Ich dachte, wenn sich diese Schmerzfreiheit wirklich im ganzen Körper ausbreiten würde, wie von Prof. Bauer vorhergesagt, dann wird man mich am Boden festketten müssen, damit ich nicht wegfliege.

Soweit aber war es noch lange nicht. Ich war skeptisch. Ich dachte: Kunststück, dass der rechte Arm schmerzfrei ist. Durch den Verband ist er ja immobil. Die Schmerzen werden schon noch wiederkommen, sobald ich den Arm wieder richtig bewegen kann.

Professor Bauer verbot mir strikt das Tippen mit zehn Fingern am PC, und zwar für sechs Wochen. Das war für mich, die ich täglich Texte am PC erstelle, das Härteste. Ich hielt mich an sein Verbot ganze zwei Wochen, dann versuchte ich es mit langsamen Tippen ohne viel Druck und mit nur zwei Fingern. Aber schon nach drei Wochen tippte ich mit zehn Fingern wie immer. Ich hatte ein schlechtes Gewissen - so viel Aufwand, so ein hohes Risiko, und ich gefährde wissentlich den Operationserfolg. Ob in der Folge ein Beißen im rechten Ellenbogengelenk auftrat oder ob es ohnehin gekommen wäre, kann man natürlich nicht sagen.

Die von Professor Bauer angeratenen Übungen führte ich eher schlampig aus. Aber als ich nun das Beißen im Ellenbogen feststellen mußte, ging ich - auch wieder gegen den Rat von Professor Bauer - zu meinem Krankengymnasten. Und zwar warnt Professor Bauer vor krankengymnastischen Übungen, weil die meist wegen der Ignoranz vieler Krankengymnasten zu hart ausgeführt werden. Das kann ich im Prinzip nur bestätigen. Ich habe nach der Fibromyalgie-Diagnose bei einem Kuraufenthalt in einer Reha-Klinik nicht wenige Krankengymnasten getroffen, die mich entgeistert fragten: "Was iss'n das, ´ne Fibromyalgie?"

Doch mein langjähriger Krankengymnast ist in Norwegen ausgebildet worden, wo die Ausbildung ganz anders gestaltet ist als bei uns. Er weiß mehr über Fibromyalgie als mancher Arzt, dem ich gesagt habe, daß ich Fibromyalgie-Patientin bin. Er arbeitete eine Stunde am rechten Arm - und seither ist und bleibt er schmerzfrei. Aber nicht nur der rechte; auch der linke Arm ist schmerzfrei geworden. An dem hat der Krankengymnast nicht gearbeitet.

Wenn die erste Operation Ende Mai war, rechnete ich mir aus, und wenn Herr Professor Bauer die zweite am Bein erst nach einem halben Jahr ausführt, könnte die im November sein. Ab Anfang Oktober begann ich also, um einen zweiten Operationstermin zu quengeln. Professor Bauer blieb hart. Erst mal abwarten.

Und Mitte Oktober 2001 plötzlich: Die Schmerzen in beiden Beinen sind weg. Das Gefühl, als hätte ich Nägel in den Kniegelenken, als würde jemand die Muskeln der Beine einzeln auseinanderreißen - plötzlich weg. Von einem Tag auf den anderen. Ich kann wieder Treppen abwärts laufen - vorwärts, nicht rückwärts, wie ich es mir schon angewöhnt hatte. Ich kann plötzlich aus dem Sitzen einfach aufstehen und loslaufen, ohne mich beim Aufstehen irgendwo festhalten zu müssen, ohne umständlich die Kniegelenke zu bewegen, bevor ich eher loshumpelte als loslief.

Wenn ich gewusst hätte, daß dieser Zustand von Schmerzfreiheit und Beweglichkeit anhalten würde, hätte ich mir den Tag notiert. Aber ich dachte: Das ist nur heute so. Die Schmerzen werden schon noch wiederkommen.

Einige Tage später jedoch zog ich meine alten Joggingschuhe an und lief los. Ich stellte fest: Nicht die Beine sind es, die mir rasch eine Grenze setzen, sondern der Kreislauf. Völlig untrainiert - kein Wunder. Drei Jahre war ich wegen zunehmender Schmerzen in den Beinen nicht mehr gelaufen.

Und immer noch wartete ich darauf, daß die Schmerzen wiederkehren würden. Sie kehrten aber nicht wieder. Irgendwann Mitte November begriff ich es. Jetzt erst merkte ich, wie sehr die
Schmerzen auch meinen seelischen Zustand beeinträchtigt hatten. Wieviel fröhlicher und zuversichtlicher ich mich fühlte, je mehr Vertrauen ich darin faßte, daß die Schmerzen nicht wiederkommen würden.

Die Schlafstörungen aber sind - bisher - geblieben. Darum bat ich um einen Termin bei Herrn Professor Burmester von der Charité, neben Dr. Sörensen der bekannteste Rheumatologe in Berlin. Und zwar bietet die Charité eine rheumatologische Tagesklinik an. Die Idee war: Intensive Physiotherapie den ganzen Tag lang für einige Wochen könnte die Schlafstörungen lindern.

Ich erschien zur Untersuchung Anfang November 2001. Wie ihre Fachkollegen und -kolleginnen zuvor prüfte auch die Oberärztin Frau Dr. Backhaus im Auftrag von Prof. Burmester die berühmten 18 Triggerpoints. Das Ergebnis war niederschmetternd oder überwältigend, je nach Sichtweise. Von den 18 Triggerpoints reagierten nur noch drei oder vier. Nicht genug, um damit eine Aufnahme in die rheumatologische Tagesklinik der Kasse gegenüber zu begründen. Also wieder keine Hilfe für meine Schlafstörungen. Das war die schlechte Nachricht.

Nun die gute: Ich sei die erste Fibromyalgiepatientin, sagte Frau Dr. Backhaus völlig verblüfft, die sie nach den geltenden Kriterien als "geheilt" bezeichnen müsse.

Es ist aber immer noch so: Wenn ich aussuchen könnte, Schlafstörungen oder Fibromyalgieschmerzen, würde ich sofort wieder die Schmerzen wählen. Unglücklicherweise fragt mich keiner, was ich mir aussuche. So quälen mich die Schlafstörungen unverändert. Aber wer weiß, was ich zu dem Thema in ein, zwei Jahren zu berichten habe.

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