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Interview in der Fachzeitschrift “GESUNDES LEBEN”, Heft: 12/2002
Fibromyalgie Welcher Zusammenhang besteht zwischen klassischen Akupunkturpunkten und Fibromyalgie?
Das Fibromyalgie-Syndrom ist keine Seltenheit: Allein in Deutschland leiden mindestens 1,6 Millionen Menschen an den chronisch auftretenden Schmerzzuständen. Es schmerzen Muskeln, Sehnen, Sehnenansätze, Bänder und Gelenke. Da man keine Erklärung für die Entstehung der Fibromyalgie hat, hat man auch kein klares Behandlungskonzept. Empfohlen werden Physiotherapie, physikalische Anwendungen, Kuraufenthalte, Rheumatika sowie zentral wirksame Medikamente oder Antidepressiva mit einer muskelrelaxierenden Komponente. Meistens behalten die Patienten jedoch ihre Schmerzen, erfahren allenfalls eine Linderung. Professor BAUER untersuchte die Möglichkeit einer chirurgischen Intervention an druckdolenten Akupunkturpunkten, die mittels der Akupressur diagnostiziert werden.
GL: Wie kamen Sie darauf, dass die klassischen Akupunkturpunkte mit den Schmerzzuständen in Zusammenhang stehen?
BAUER: Als 1990 die ACR-Kriterien für die Diagnose Fibromyalgie aufgestellt wurden, fiel mir sofort auf, dass die 18 Tenderpoints Areale waren, die Akupunkturpunkten der TCM entsprachen. Aufgrund meiner Vorbildung besitze ich ein morphologisch geschultes Auge. Ich war in den Wintersemestern der Jahre 1969 bis 1975 in München an der Anatomischen Anstalt bei Herrn Prof. Dr. FRICK tätig, zuletzt als Assistent. Anfang der 70er Jahre absolvierte ich noch vor meinem Staatsexamen im Jahre 1972 meine ersten Kurse in Akupunkturmedizin. Nach meiner Anerkennung als Facharzt für Chirurgie befand ich mich bis 1988 in Weiterbildung für Hand-, Fuß- und periphere Neurochirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik München. Dort lernte ich auch die Probleme sowohl von Rheumapatienten als auch von Schmerzpatienten mit Weichteilrheuma kennen. Aufgrund all dieser Voraussetzungen fiel mir wie von selbst ins Auge, dass die 18 Tenderpoints nur ein Remake alten Wissens waren.
GL: Wie bestimmen Sie die „verklebten“ Akupunkturpunkte?
BAUER: Die verklebten Akupunkturpunkte sind analog zu den Tenderpoints auf Daumendruck viel schmerzhafter als die normalen, nicht verklebten. Aber: im Gegensatz zur Theorie, dass bei Patienten mit Fibromyalgie die Schmerzschwelle herabgesetzt sein soll, ist festzuhalten, dass bei Fibromyalgie Patienten die Tenderpoints Stellen erhöhter Schmerzhaftigkeit darstellen. Dies ist auch logisch, weil die von Herrn Prof. HEINE beschriebene perineurale Entzündung diesbezüglich zutrifft. Wie jede Entzündung ist sie einerseits exsudativ, andererseits reizt sie nervale Strukturen und löst dadurch Schmerzen aus. Zur Bestimmung der verklebten Akupunkturpunkte genügt es, diese schematisch an den Meridianen entlang abzutasten, am besten in Verlaufsrichtung des Qi. Die auf Akupressur stark druckschmerzhaften Punkte sind krank. Empirisch hat sich gezeigt, dass es Schaltkästen an beiden Unterarmen und an beiden Innenknöcheln gibt, die den entsprechenden Körperquadranten beherrschen. So wurde es möglich, den Quadrantenschmerz zu erfassen und mit ihm eine Stadieneinteilung der Fibromyalgie aufzustellen.
GL: Was passiert bei der OP?
BAUER: Vielfach wird von meinen Gegnern das bösartige Gerücht verbreitet, ich würde 360 Schnitte machen und die Patienten entstellen. Tatsache ist: bei der OP wird von einem einzigen Hautschnitt aus operiert. Von diesem einzigen Hautschnitt aus lassen sich 6 bis 8 Durchtrittsstellen samt zugehöriger Kanäle erreichen. Ihr Inhalt, die anatomische Trias, Arterie, Vene, Nerv, wird von narbenartigen Belägen befreit („geputzt“), zur Vermeidung von Rezidiven werden die Durchtrittsstellen geweitet und/oder ausgeschnitten. Weil die Ursache der Verklebungstendenz und der perineuralen Entzündung noch unbekannt ist, kann man sich nur durch Vergrößern des Radius vor dem erneuten Verkleben schützen. Große Teiche frieren im Winter nicht so schnell zu wie kleine. Um neue Störfelder zu vermeiden wird der Hautschnitt so gelegt, dass er den entsprechenden Meridian möglichst nicht erreicht und wenn doch, ihn dann nur an einer Stelle, an der keine Akupunkturpunkte liegen, durchkreuzt. Weil ich dieses Vorgehen prinzipiell beachte, greifen auch alle Gegenargumente, ich würde neue Störfelder schaffen, die neuen Verklebungen würden die alten ersetzen usw. nicht und bezeugen lediglich die morphologisch-chirurgische Inkompetenz der Kritiker. Die Eindringtiefe ist unterschiedlich. Bei tiefgelegenen Akupunkturpunkten muss ich bis zu 3,5 cm tief schneiden. Auf alle Fälle handelt es sich um echte chirurgische Eingriffe und nicht um Dermato-Chirurgie.
GL: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, das Schmerzsyndrom zu beseitigen?
BAUER: Die Wahrscheinlichkeit, das Schmerzsyndrom zu beseitigen ist hoch. In einer retrospektiven 10-Jahres-Studie (1990-2000) konnte ich zeigen, dass 66 % aller operierten Patienten beschwerdefrei geworden und geblieben sind, d.h. geheilt werden konnten. Bei weiteren 22 % konnte dank der Operation die Medikation auf 1/5 des ursprünglichen Bedarfes gesenkt werden. Heute, im Jahr 2002, weise ich die Patienten im Aufklärungsgespräch daraufhin, dass der Wirkeintritt unterschiedlich schnell erfolgt (Tage/Wochen/Monate bis zu 1 Jahr). In 70 % der Fälle wird eine bleibende Beschwerdefreiheit mit einer Operation erreicht. In 20 % der Fälle werden 2 oder mehr Operationen an unterschiedlichen Quadranten im Lauf von 1 bis 2 Jahre nötig. In 10 % der Fälle bringt die OP auch nach Ablauf eines Jahres nichts und war somit "für die Katz". Seit 1990 habe ich nunmehr über 1000 Patienten operiert.
GL: Gibt es bereits veröffentlichte Studien?
BAUER: Mit Herrn Prof. HEINE habe ich 3 Veröffentlichungen getätigt (1998, 1999, 2000), sie sind alle in der Zeitschrift Biologische Medizin erschienen. 2001 habe ich die Ergebnisse meiner retrospektiven 10-Jahres-Studie veröffentlicht. 2002 habe ich die Ergebnisse auf dem IASP-Weltkongress in San Diego (Kalifornien) vorgetragen. Dabei ergab sich eine Diskussion mit Kollegen aus aller Welt. In zwei verschiedenen Schmerzzeitschriften in den USA und Kanada sind Berichte über meine Entdeckung in Vorbereitung. Nur die deutschsprachigen Kollegen versuchen noch, mich zu ignorieren. Auf sie kommt es jedoch nicht an, weil die betroffenen Patienten nach erfolgreicher OP mich weiter empfehlen. Diese Patienten haben sich zur FMS-Patientenhilfe Deutschland und Österreich zusammengeschlossen, um ihren Leidensgefährten zu helfen. Auf der Basis der Gemeinnützigkeit haben sie auch ein Spendenkonto für Bedürftige eingerichtet, die sich die OP-Kosten von etwa 2000 Euro nicht leisten können. Die gesetzlichen Krankenkassen sind zwar bereit, das 10-fache für eine langdauernde psychosomatische Kur, die nur lindern, aber nicht heilen kann, zu bezahlen, die OP aber, die mit hoher Wahrscheinlichkeit heilt, jedoch nicht.
Sobald meine Methode von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt wird, bin ich gerne bereit, Kollegen auszubilden. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Prof. Dr. Dr. med. Johann Bauer Falkenweg 1, CH-6340 Baar (ZG), Schweiz
Admin: 0041 (0)41 720 21 86 www.fms-bauer.com
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